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Les Alpes
13. Juli bis 1. September 2018

 

 

Es zogen zahlreiche Festival-Editionen und Auseinandersetzungen mit den Elementen, dem Humor, Familienbanden und dem Pomp ins Land, ehe wir uns dem wortwörtlich naheliegendsten Motto zuwenden. Es liegt beim Gstaad Menuhin Festival sozusagen vor der Haustüre: die Alpen! Die Alpen in der Musik, durch die Jahrhunderte betrachtet, und ihrer Einflüsse auf die Kunstmusik.
 
Die Alpen üben heute die gleiche besondere Faszination auf uns aus wie auf unsere Vorfahren der letzten Jahrhunderte. Die Ehrfurcht vor der Kraft der Natur und der Macht der Naturgewalten gegenüber der Verletzlichkeit der Menschen kommt  in unserer Beziehung zwischen den mächtigen Berg- und Tallandschaften der Alpen in besonderem Masse zum Tragen. Im Zeitalter der Beschleunigung, der Digitalisierung und weltweiten Vernetzung, der globalisierten Gleichschaltung menschlichen Zusammenlebens verharren die Alpen in unbezwingbarer Dominanz der Natur über allem Lebendigen wie ein „Fels in der Brandung“. Ständiger Bevölkerungszunahme und verdichtetem Bauen im urbanen Gebiet stehen auch im 21.Jahrhundert noch unberührte Alpentäler, wenig besiedelte Bergdörfer und Talschaften ohne Mobilfunk-Empfang gegenüber. Zwar werden die Alpen durch Bergbahnen begehbar gemacht und ziehen in den Ferienzeiten Scharen von Gästen an, aber sie gelten für den normalen,nicht bergsteigenden oder kletternden Menschen immer noch als unbezwingbar, übermächtig. In der Abgeschiedenheit der Bergwelt ist man sich selbst überlassen, Ausgleich und Ruhe ergibt sich wie von selbst.
Die Stressgeplagten unter uns sehnen sich nach diesem Gefühl und die Anziehung der Berge wird umso stärker, magisch.
 
Naturschauspiele wie ein Sommergewitter mit Sturm, Blitz und Donner, ein heftiger Regenschauer, Sonnenauf- und -untergang, Wasserläufe, Wasserfälle sind in der Bergwelt intensiver und heftiger zu erleben. Naturgewalten können schnell ins Bedrohliche kippen. Die Rhythmen und die Extreme  der vier Jahreszeiten bestimmen das Leben in den Alpen bis tief in den Alltag hinein, während in urbanen Gebieten weitaus weniger Abhängigkeiten von den Charakteren der Jahreszeiten und ihren Auswirkungen bestehen. Der Wunsch, diese Naturdramen im Paradies der Berge erleben zu können, ist für viele mit einem Aufenthalt in den Alpen verbunden.

Wie müssen diese faszinierenden Naturgewalten, diese Ohnmacht gegenüber Bergen und Täler auf einen Menschen im 19. Jahrhundert, im Zeitalter der Romantik gewirkt haben? Mendelssohn schreibt in einem Brief aus Boltigen am 7.8.1831 an seine Eltern: „Draussen blitzt und donnert es ganz entsetzlich, und regnet dazu mit Macht; in den Bergen lernt man erst, vor dem Wetter Respekt haben.“
 
Mit dem aufkommenden Tourismus in der Mitte des 19. Jahrhunderts begaben sich auch Komponisten auf Reisen. 
 
Verschiedene Programmzyklen wenden sich diesem „Alpenländischen“ in der klassischen Musik zu:

Im Eröffnungszyklus „Seasons recomposed“ erleben Sie drei Mal Naturschilderungen, welche sich mit Meisterwerken von Vivaldi und Haydn und Neudeutungen und Transformationen im weitesten Sinne auseinandersetzen. Erstmals in der 62-jährigen Geschichte des Festivals erfolgt eine integrale Aufführung sämtlicher in Thun entstandener Werke von Johannes Brahms. Mit Brahms’ 1. Sinfonie, Strauss’ Alpensinfonie, Tschajkowskis „Manfred“ (Lord Byrons Alpendrama), einer italienischer Operngala mit Alpenbezügen, Mozarts Posthorn-Serenade, Leopold Mozarts Alphornsinfonie und den beiden Schweizer Sinfonien von Mendelssohn erklingen Werke mit starkem thematischem Bezug.
 
Ein Langzeitprojekt erfährt beim Festival 2018 seine Fortsetzung: Das Duo Patricia Kopatchinskaja und Sol Gabetta tritt zum zweiten Mal gemeinsam bei uns auf und führt gleich zwei Werke von zwei führenden Komponisten der Gegenwart als Premiere bei uns auf, die in unserem Auftrag entstanden sind: Duos von Peter Eötvös und Rodion Shchedrin. Es ist eine Freude und Ehre, das Repertoire für Violine und Violoncello durch dermassen gewichtige Aufträge für dieses Duo zu erweitern.
 
Gstaad Menuhin Festival & Academy bedeutet viel mehr als nur Konzerte: Sie erleben in Academy-Konzerten unserer 5 Academies die hoffnungsvollsten Nachwuchstalente, Sie können als aktive Amateure in unseren play@ Orchestern mitspielen, Kindern, Familien und Jugendlichen stehen die Discovery-Angebote zur Verfügung, das Gstaad Festival Orchestra ist in Gastkonzerten ausserhalb Gstaad zu hören, und Sie entdecken unsere Angebote über das ganze Jahr auf unserem Streaming-Kanal www.gstaaddigitalfestival.ch.
Vor allem aber können Sie in über 60 Konzerten faszinierenden Künstlern - vom Nachwuchs-Violinisten bis zum Starsänger - nahe sein und an packenden und unverfälschten musikalischen Live-Erlebnissen teilnehmen.
 
Wir heissen Sie zum 62. Gstaad Menuhin Festival herzlich willkommen.
 
Ihr Christoph Müller, Intendant & CEO