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Les Alpes
13. Juli bis 1. September 2018

 

 

Gelebte Affinität zum Saanenland

Als weltbekannter «Wundergeiger», Dirigent und Humanist bleibt Lord Yehudi Menuhin in Erinnerung. Seine ausgeprägte Menschlichkeit, seine vielseitigen künstlerischen Begabungen und seine immerwährende Neugier prägten sein Schaffen. 1957 gründete der spätere Ehrenbürger von Saanen das mittlerweile legendäre Festival im Saanenland. Hier, in der inspirierenden und Kraft spendenden Ruhe der lieblichen Bergwelt des Berner Oberlandes, fand er das ideale Umfeld für das Musizieren unter Freunden und die Förderung junger Talente. Auch zehn Jahre nach Menuhins Tod sind seine Überzeugungen und Ziele die Leitlinien des Gstaad ©Menuhin Festival.

Lord Yehudi Menuhin (Foto: © Lotte Meitner-Graf)

Lord Yehudi Menuhin (Foto: © Lotte Meitner-Graf)

Yehudi Menuhin: Stationen eines ganzheitlichen Lebens

1916
Am 22. April als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer in New York geboren.

1921
Violinunterricht in San Francisco (Antrieb: «Wann kann ich Vibrato spielen?»).

1924
Am 29. Februar der erste Auftritt als Schüler von Louis Persinger, erster Konzertmeister vom Sinfonie Orchester in San Francisco.

1927
Begegnung mit Georges Enescu. Erstes Konzert in Paris mit dem «Orchestre Lamoureux».

1929
Am 12. April spielt Yehudi Menuhin sein legendäres Berliner Konzert unter Bruno Walter. Mit den drei Solo-Konzerten von Bach, Beethoven und Brahms begründet er den weltweiten Ruhm als Wunderkind

1935
Welt-Tournee mit 110 Konzerten führt zur künstlerischen Krise.

1938-45
Im zweiten Weltkrieg spielt er über 500 Konzerte für die Alliierten Truppen. Yehudi Menuhin wird zum Friedenssymbol.

1957
Erstes Musizieren im Saanenland, das «Menuhin Festival» entsteht. Als künstlerischer Leiter engagiert er sich gleichzeitig am Bath-Festival.

1959
Wachsende Begeisterung für die Arbeit als Dirigent.

1963
Gründung einer Musikschule für Kinder im britischen Stoke d’Abernon.

1969
Wahl zum Präsidenten des Internationalen Musikrats der UNESCO.

1970
Ernennung zum Ehrenbürger der Gemeinde Saanen.

1977
Gründung der Internationalen Menuhin-Musik-Akademie IMMA – Camerata Lysy wechselt von Holland nach Gstaad.

1979
Yehudi Menuhin erhält den Friedenspreis des deutschen Buchhandels.

1993
Die britische Königin ernennt ihn zum «Baronet of Stoke d’Abernon»: Sir Yehudi Menuhin wird zu Lord Menuhin.

1999
Am 12. März stirbt der Künstler und Humanist in Berlin an Herzversagen.

Gedankengänge auf dem Philosophenweg

Ein Philosophenweg mit 12 Schautafeln von Gstaad nach Saanen erinnert an Yehudi Menuhin, den Ehrenbürger der Gemeinde Saanen (er erhielt diese Auszeichnung im Jahre 1970). Seine Betrachtungen zum Verhältnis von Mensch, Natur und Kultur erhalten entlang der Lebensader des Saanenlandes, des gleichnamigen Flusses Saane, eine höhere Bedeutung.

Menuhin Center Saanen

Der Verein Menuhin Center Saanen hat es sich zur Aufgabe gemacht, das künstlerische und geistige Schaffen von Yehudi Menuhin im Saanenland in Erinnerung zu halten. Im historischen Chalet Salzhüsi im Zentrum von Saanen wird das Leben, das kulturelle Umfeld, sowie das musikalische und erzieherische Wirken von Lord Menuhin lebendig präsentiert. Als öffentlich zugängliche Forschungs- und Gedenkstätte mit Bild- und Textarchiven, kleiner Bibliothek und Mediathek wird das Archivmaterial gesammelt und vorgestellt. Und da Yehudi Menuhin sein Festival über 40 Jahre geprägt und vorangetrieben hat, wird gleichzeitig auch die facettenreiche Geschichte des Gstaad Menuhin Festival & Academy erzählt.

Kontakt/Informationen
Dr. Rolf P. Steiger, Präsident
Tel. +41 33 744 19 40
E-Mail schreiben

Zitate von Yehudi Menuhin

«Ich fühle mich in Gstaad zu Hause. Ich habe dort ein kleines Musikfestival in der wunderbaren kleinen Kirche in Saanen geschaffen…»

«Eine Lebensweise die das Reich des Unbekannten und Geheimnisvollen aus-schliesst, steht nicht im Einklang mit dem Leben selbst.»

«Jeder Augenblick im Leben ist ein neuer Aufbruch, ein Ende und ein Anfang, ein Zusammenlaufen der Fäden und ein Auseinandergehen.»

Literatur und DVD's

Buch «Gstaad und die Menuhins» ISBN 3-7165-1446-2), erschienen im Benteli Verlag

DVD «Yehudi Menuhin – Lord of the Strings» zum 50-Jahr-Jubiläum des Gstaad Menuhin Festival & Academy

Erhältlich im Festivalbüro (Tel. +41 (0) 33 748 83 38) sowie im Fachhandel.

Sonderdruck Anzeiger von Saanen, 120. Jahrgang, 2. Blatt, Dienstag, 7. März 2000 Nr. 19 (Autor: Dr. Rolf P. Steiger)

Russischer Kosmopolit

1916 als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer in New York geboren, wächst Yehudi Menuhin in San Francisco auf. Von seinen strengen Eltern zum Üben und Lernen erzogen, gilt er schon damals als musikalisches Wunderkind. Zeitlebens ist Yehudi Menuhin Nomade und Kosmopolit und erkundet als Humanist, Philosoph und Musiker die ganze Welt.

Neugier für das Andere

Sein Interesse für andere Kulturen und Musikrichtungen bewegen ihn beispielsweise, mit dem indischen Sitar-Künstler Ravi Shankar (1971 und 1975) oder dem Jazz-Virtuosen Grappelli in Gstaad am Festival Begegnungen verschiedener Stile zu initiieren und das verbindende Moment in der Musik herauszuarbeiten. Menuhin ist stets auf der Suche nach «heilender Kraft in der Harmonie der Musik». Meditation und Yoga-Übungen sind für ihn wichtige Selbstbehandlungen, dazu braucht er seine Musik.

Liebe zu Gstaad

Mitte der 1950er Jahre entdecken Yehudi Menuhin und seine Familie das Saanenland und Gstaad. Die Urkraft der Natur und der Berge faszinieren und inspirieren ihn. Nicht nur die sanfte Alpenlandschaft des Saanenlandes beeindruckten ihn, sondern auch das Zusammentreffen von Westschweiz, deutschsprachiger Kultur sowie der nahe gelegene Süden mit der Italianità. Weil Gstaad und Umgebung zugleich ein ideales Umfeld für die internationale Erziehung seiner Kinder bietet (unter anderem durch die hier ansässigen Institute «Le Rosey» und «John F. Kennedy International School»), lässt sich Menuhin mit seiner Familie im Saanenland nieder. Auf den Spaziergängen in den Bergen mit seinen Kindern entdeckt der Städter den naturverbundenen Alltag der einheimischen Bevölkerung, welche mit ihrer Folklore und Musik ebenfalls die musikalische Entwicklung Menuhins beeinflusst.

Entdecker und Förderer zahlreicher Talente

Angesteckt vom Virus didaktischer Arbeit mit der Jugend und beseelt vom Gedanken, seine Lebenserfahrungen weiterzugeben, erfüllt sich Menuhins Wirken neben intensiver Konzerttätigkeit immer mehr mit Schreiben, Ausbilden und Gestalten seiner Festivals, seit 1957 in Gstaad und von 1959 bis 1968 auch als künstlerischer Leiter im englischen Bath. 1963 gründet er in London, dann in grösseren Räumlichkeiten in Stoke d’Abernon seine Yehudi Menuhin Schule, die heute eine vom Staat unterstützte Eliteschule für jugendliche Streicher und Musiker ist. Die Internationale Menuhin Music Academy zieht 1977 mit der Camerata Lysy aus Holland nach Gstaad und wird unter seinem Schüler Alberto Lysy zum Juwel der Kulturszene der drei Talschaften Pays-d’Enhaut-Saanenland- Obersimmental und des Gstaader Musiklebens.

Unermüdliches Engagement bis zum Schluss

In den 80er und 90er Jahren verlagert sich Menuhins Wirken immer mehr nach London: Yehudi Yehudi erhält 1987 von der britischen Königin den «Order of merit», und wird 1993 zum Baron mit dem Titel «The Right Honorable Lord Menuhin of Stoke d’Abernon» ernannt. Unermüdlich bleibt der grosse Humanist und Musiker aktiv, dirigiert auf der ganzen Welt und gründet 1994 in Brüssel «MUS-E». Als musikalischer Leiter wirkt er bis 1996 in Gstaad und wird als einer der bekanntesten Weltbürger und angesehener Humanist mit vielen Ehrungen überhäuft. Ganz überraschend stirbt er am 12. März 1999 in Berlin auf einer Konzerttournee mit seiner Sinfonia Varsovia. Ein gutes, rastloses Herz hat wenige Wochen vor dem 83. Geburtstag aufgehört zu schlagen.