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Les Alpes
13. Juli bis 1. September 2018

 

 

Yehudi Menuhins Liebe zu Gstaad

Mitte der 1950er Jahre entdecken Yehudi Menuhin und seine Familie das Saanenland und Gstaad. Die Urkraft der Natur und der Berge faszinieren und inspirieren ihn. Nicht nur die sanfte Alpenlandschaft des Saanenlandes beeindruckten ihn, sondern auch das Zusammentreffen von Westschweiz, deutschsprachiger Kultur sowie der nahe gelegene Süden mit der Italianità. Weil Gstaad und Umgebung zugleich ein ideales Umfeld für die internationale Erziehung seiner Kinder bietet (unter anderem durch die hier ansässigen Institute «Le Rosey» und «John F. Kennedy International School»), lässt sich Menuhin mit seiner Familie im Saanenland nieder. Auf den Spaziergängen in den Bergen mit seinen Kindern entdeckt der Städter den naturverbundenen Alltag der einheimischen Bevölkerung, welche mit ihrer Folklore und Musik ebenfalls die musikalische Entwicklung Menuhins beeinflusst.

Tradition & Innovation

Das Festival von der Entstehung bis heute.

Im Geiste des Gründervaters Lord Menuhin positioniert Christoph Müller das Gstaad Menuhin Festival & Academy bei seinem Amtsantritt im 2002 neu und entwickelt es in der Folge erfolgreich weiter, indem eine offene und kreative Programmpolitik nun zukunftsweisende Projekte und den Aufbau nachhaltiger künstlerischer Gefässe ermöglicht.

Das Kammermusikfest Gstaad konzentriert sich auf hochkarätige Persönlichkeiten (Joshua Bell, Sabine Meyer, Alfred Brendel, Andras Schiff, Hélène Grimaud), die ihre musikalischen Freunde und Partner nach Gstaad einladen und «gemeinsam in entspannter Atmosphäre musizieren» (Zitat Yehudi Menuhin).

Die Sinfonieorchester-Konzerte im Festival-Konzertzelt bringen sinfonische Glanzlichter zurück nach Gstaad, unter anderem durch enge Partnerschaften zu Orchestern wie dem London Symphony Orchestra. Die Reihe «Today’s Music» ermöglicht Begegnungen verschiedenster Stile und Kulturen, welche nach Vorbild von Yehudi Menuhins überraschende und unvorhergesehene Musikerlebnisse ergeben. Mit Künstlern wie Bobby McFerrin, Nigel Kennedy oder der Schweizer Jazz-Legende George Gruntz konnte sich dieser Zyklus seit der Edition 2002 profilieren. Darüber hinaus wurde die Tradition eines Kinderprojektes etabliert, welches jährlich die Aufführung eines in den Schulen des Saanenlandes pädagogisch erarbeiteten Werkes unter Mitwirkung von 30 bis 50 Kindern aus der Region vorsieht. Werke wie «Pollicino» von Hans-Werner Henze, «Brundibar» von Hans Krasa oder «Carnaval des Animaux» von Camille Saint-Saëns bleiben unvergessen.

Auch für musikalischen Laien wurde eine Plattform geschaffen, die sich als «Play @ Gstaad Menuhin Festival»-Reihe etabliert hat: Die Festival-Ausgabe 2008 präsentierte erstmals eine Orchesterwoche für Amateur-Musiker, welche während 7 Tagen gemeinsam mit Stimmführern etablierter Sinfonieorchester ein Orchesterprogramm einstudierten und in einem Konzert präsentierten. Seit 2009 wird dieses Amateurorchester durch ein entsprechende Jugendorchester-Woche mit 60-70 Mitwirkenden ergänzt. Die insgesamt jährlich ca. 130 Jugendlichen und Laienmusikerinnen profitieren in diesem Projekt von der Kombination von aktivem Musizieren, Konzertbesuchen und kurz: Sie nehmen am Festivalleben teil.

Zeitraffer

1957
Start des Menuhin Festival Gstaad (4. bis 6. August, Kirche Saanen)
Zürcher Kammerorchester unter Edmond de Stoutz als Festival-Orchester

1966
10 Jahr-Jubiläum mit «Hommage an Yehudi Menuhin»

1976
20 Jahr-Jubiläum: Teilnahme aller Schüler der Menuhin School London und Uraufführung der Menuhin gewidmeten «Polyptique» von Frank Martin

1989
Zusammenschluss von Menuhin-Festival und Alpengala in Musiksommer Gstaad Saanenland AG

1996
Übergabe der Festivalleitung von Lord Yehudi Menuhin an Gidon Kremer

1998/99
Künstlerische Leitung des Festivals bei Peter Keller

1999
Tod von Lord Yehudi Menuhin (12. März 1999)

2000/01
Künstlerische Leitung des Menuhin Festivals Gstaad bei Eleanor Hope

2002
Künstlerische Leitung: Christoph Müller

2006
50 Jahr Jubiläum

2009
Gründung Gstaad Academy mit Cecilia Bartoli

2010
Gründung Gstaad Festival Orchestra

2014
Umbenennung des Firmennamens in Gstaad Menuhin Academy & Academy AG

2016
60 Jahr Jubliäum

Kennzahlen

1957 gegründet vom Jahrhundert-Geiger Lord Yehudi Menuhin (1916-1999)

ca. 50 Veranstaltungen von Mitte Juli bis Anfang September

Klassische Repertoire-Werke (Barock, Klassik, Romantik bis zeitgenössische Klassik)

20’000 Besucher, davon 70 Prozent Stammgäste (zwei oder mehr Besuche am Festival)

Gesamtauslastung 72%

Besucherstruktur: ca. 75 Prozent Schweizer Gäste

Veranstaltungsorte: Kirche Saanen (750 Personen), Festivalzelt (1830 Personen), weitere Kirchen der Region (100-400 Personen)

Budget von CHF 3.9 Mio, Anteil öffentlicher Mittel ca. 5%

ca. 10 Vollzeitstellen und mehr als 100 freiwillige Helferinnen und Helfer

ca. 5'000 direkt durch das Festival gebuchte Logiernächte, insgesamt Auslösung von ca. 50'000 Logiernächten pro Jahr

Direkte Wertschöpfung von CHF 9 – 11 Millionen für die Region Gstaad-Saanenland

Programm-Säulen

Klassisch – Kammermusikfest

Festlich – Orchesterkonzert/Oper

Experimentell – Today’s Music

Musikextra: Konzerte an ungewöhnlichen Orten (z.B. Alphütten, Bergstationen), öffentliche Proben, Orchesterwochen und Meisterkurse:

Play @ Gstaad Menuhin Festival – Orchesterwochen für Jugendliche und Amateurmusiker

Gstaad Vocal Academy – öffentlicher Meisterkurs für GesangsstudentInnen von Prof. Silvana Bazzoni Bartoli und Cecilia Bartoli

Gstaad Piano Academy – öffentlicher Meisterkurs für KlavierstudentInnen von András Schiff

Gstaad Festival Orchestra – Vom Gstaad Menuhin Festival & Academy initiiertes Symphonieorchester mit dem Ziel, innovative und qualitativ hochstehende Projekte zu entwickeln und zu realisieren. Nach der Premiere in Gstaad präsentiert das Orchester die Projekte mit internationalen Gastspielen und wird so zum Botschafter des Festivals und der Region Gstaad. Dirigenten: Maxim Vengerov (principal conductor) und Kristjan Järvi.

Literatur & DVD

Buch «Gstaad und die Menuhins» (ISBN 3-7165-1446-2), erschienen im Benteli Verlag

DVD «Yehudi Menuhin – Lord of the Strings» zum 50-Jahr-Jubiläum des Gstaad Menuhin Festival & Academy
Erhältlich im Festivalbüro (Tel. +41 33 748 83 38) sowie im Fachhandel.

Eine spontane Idee wird zur Tradition

Seinen Anfang nimmt das Menuhin Festival im Jahr 1956, als der damalige Kurdirektor Paul Valentin Yehudi Menuhin anfragt, ob er bereit wäre, die Sommersaison mit Konzerten zu bereichern. Spontan nimmt Menuhin die Idee auf, und bereits ein Jahr später schlägt die Geburtsstunde des Menuhin Festivals in der Mauritius-Kirche Saanen. Am 4. und 6. August 1957 treffen unter dem Titel «deux concerts exclusifs» vier Musiker aufeinander, welche bis heute als legendäre Musiker und Persönlichkeiten gelten: Maurice Gendron, Cello, Benjamin Britten, Klavier und Cembalo, Peter Pears, Tenor, und natürlich Yehudi Menuhin. Fortan tragen die Sommerkonzerte im Saanenland den Titel «Yehudi-Menuhin-Musiksommer». Aus zwei werden neun Veranstaltungen, vorwiegend Kammermusikkonzerte und Konzerte mit Kammerorchestern (ab 1958 nimmt das bekannte Zürcher Kammerorchester unter Edmond de Stoutz teil). Das Festival ist von Beginn weg stark von Menuhins intensiver Beziehung und Interaktion mit der ländlichen Idylle im Berner Oberland inspiriert. Familie (z.B. Yehudis Schwestern Hephzibah und Yaltah oder sein Sohn Jeremy) und Freunde (darunter Ernst und Lory Wallfisch, Louis Kentner und Peter Lukas Graf) von Yehudi Menuhin sorgen für unvergessliche Kammermusikabende in der stimmungsvollen Kirche von Saanen: Das Musizieren im Freundeskreis wird zum Leitmotiv des Festivals.

Das Festival wächst

Die Struktur des grösser werdenden Festivals wird zunehmend komplexer. 1976 wird insbesondere auch für die Bewältigung administrativer Aufgaben ein neues Organisations-Komitee eingesetzt. 1977 setzt Menuhin mit der Gründung der Internationalen Menuhin-Musik-Akademie (IMMA) und «The Yehudi Menuhin School» bei London, einen Markstein in der Förderung von jungen Elite-Musikern. Der erste Direktor der IMMA ist Alberto Lysy (Ende 2007 übergibt er die musikalische Direktion an Jeremy Menuhin). Das Orchester der Akademie, die Camerata Lysy Gstaad (ab 2009: Camerata Menuhin), wird zu einer tragenden Säule des Festivals. Mittlerweile umfasst der Anlass 18 Konzerte.

Menuhin betont in seiner künstlerischen Arbeit noch intensiver die Symbiose von Kunst und Landschaft. Musikalische Höhepunkte sind beispielsweise ein Konzert zum 100. Geburtstag von Ernest Bloch, eine Hommage an Benjamin Britten (zur Aufführung kommt dessen Drittes Streichquartett) oder ein Gedenkkonzert zur vierzigsten Wiederkehr von Bela Bartók nach Gstaad.

Ab 1989 auch Sinfoniekonzerte

Mit der Übernahme der Alpengala AG und vor allem durch deren Festivalzelt durch das Menuhin Festival wird es Ende der achtziger erstmals möglich, grosse Sinfonieorchester ins Saanenland zu holen; das Menuhin Festival wird von einem Kammermusikfest zu einem der grössten Festivals der Schweiz. Yehudi Menuhin erhält damit die Gelegenheit, seine stets zunehmende Dirigententätigkeit auch in seiner Wahlheimat auszuüben. Das erste Festivalzelt wird 1999 durch ein neues, speziell für das Festival nach neusten technischen und akustischen Erkenntnissen konzipiertes, Konzertzelt ersetzt.

1996: Jubiläum und Umbruch

Mit 80 Jahren und nach 40 Jahren der künstlerischen Tätigkeit in Gstaad entschliesst sich Lord Yehudi Menuhin 1996, die Leitung seines Festivals in jüngere Hände zu übergeben. Der für seine tiefgründige Auseinandersetzung mit klassischer und zeitgenössischer Musik bekannte lettische Violinist Gidon Kremer soll dem Alpen-Festival neue künstlerische Impulse geben und es ins einundzwanzigste Jahrhundert führen. Bald zeigt sich, dass Publikum und Partner des Festivals die personelle und künstlerische Neuausrichtung nicht in gewünschtem Masse mittragen – die vier Jahrzehnte der Prägung durch Yehudi Menuhin lassen sich nicht mit den künstlerischen Zielen von Gidon Kremer vereinen.

Bewegte Ära nach Menuhin

Nach dem Rücktritt von Gidon Kremer im Jahr 1998 übernehmen Peter Keller und anschliessend die ehemalige Mitarbeiterin von Yehudi Menuhin, die Musikwissenschaftlerin Eleanor Hope, den künstlerischen Vorsitz des Festivals. Sie trägt das Erbe Menuhins, der 1999 verstirbt, in einem vielseitigen Programm weiter, das in permanenter Wechselwirkung zur bergigen Natur der Ferienregion Saanenland steht. Der Schwerpunkt der Konzerte in Gstaad und Umgebung liegt, wie in den Jahren Menuhins, auf der klassischen Kammermusik und sinfonischen Werken, ergänzt durch zeitgenössische Werke. Eleanor Hope schafft es, die Festivalfamilie von Yehudi Menuhin (Stammpublikum, Solisten, Ensembles, Dirigenten und Orchester) wieder nach Gstaad zu bringen und damit das Festival zu stabilisieren. 2002 trifft der Verwaltungsrat des Festivals einen mutigen und wegweisenden Entscheid: Nicht ein herausragender, weltbekannter Solist soll künftig die Geschicke des Festivals leiten, sondern ein Kulturmanager, welcher in der Lage ist, das Festival künstlerisch weiterzuentwickeln, ohne die ökonomischen und regionalen Ressourcen und Voraussetzungen zu vernachlässigen. Im jungen Basler Musiker und Kulturmanager Christoph Müller finden die Festivalverantwortlichen die geeignete Persönlichkeit. Seine Erfolge als Manager des Kammerorchester Basel, seine Offenheit und Neugier sowie die Tatsache, dass er als Newcomer die Weiterentwicklung des Festivals ohne Vorbelastung in Angriff sprechen für ihn.